11. August 2026
Warum es hier ab jetzt immer mal wieder etwas zu lesen gibt.
Es gibt so viele Themen, die mich beschäftigen.
Über Fragen, die mir immer wieder begegnen.
Über Sätze, die ich so oder so ähnlich schon oft gehört habe.
Über die kleinen oder größeren Herausforderungen meines HebammenSEINs, die sonst keiner sieht.
Diese Gedanken schreibe ich jetzt auf. Hier.
Was Du mir erzählst, bleibt bei mir. Immer.
Hier schreibe ich über Themen, nicht über Menschen.
HebammeSEIN. Tagebuch einer Hebamme.
Mein Hebammenalltag.
Das was mich bewegt.
Das was Dich bewegt.
Kinderwunsch. Schwangerschaft. Geburt. Wochenbett. Stillzeit. Flaschentrinkzeit. Beikost. Und die Zeit danach.
Dokumentation. Organisation. Abrechnung. Software. Praxis. Kurse. Steuer.
Mal fachlicher. Mal persönlicher.
Mal nur ein kurzer Gedanke zwischendurch. Mal ein längerer Text.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
5. Oktober 2026
Patientin.
In Arztpraxen und Kliniken, das normalste Wort der Welt.
Ich nutze dieses Wort für Dich nicht.
Die Frauen, die ich begleite, sind für mich Frauen.
Schwangere. Wöchenerinnen. Mütter.
Aber keine Patientinnen.
Das ist keine Kritik an meinen (ärztlichen) Kolleginnen, für die das Wort zum Berufsalltag gehört.
Es ist meine Haltung.
Und weil ich immer wieder gefragt werde, warum mir das so wichtig ist, erkläre ich es Dir hier.
Patient kommt vom lateinischen „patiens“.
Leidend. Erduldend. Ertragend.
Das passt bei einer Lungenentzündung.
Bei einem gebrochenen Bein.
Aber bei einer Schwangerschaft?
Schwanger ist nicht krank.
Dein Körper ist nicht kaputt. Er leistet Großartiges.
Und bei den allermeisten Frauen tut er das ohne jede Komplikation.
Wir Hebammen sind die Fachfrauen für das Gesunde.
Wir unterstützen, was von selbst gut gehen will.
Und wir erkennen, wenn etwas davon abweicht.
Auch die WHO denkt Schwangerschaft von der Gesundheit her.
Ihr Ziel heißt „positive Schwangerschaftserfahrung“.
Von Leiden und Erdulden steht da nichts.
Eine Patientin wartet. Wird aufgerufen. Wird untersucht. Wird behandelt.
Eine schwangere Frau ist die Hauptperson. Sie trägt ihr Kind. Sie kennt ihren Körper. Sie entscheidet.
Ich bringe mein Wissen mit, damit Du gut entscheiden kannst.
Verständliche Aufklärung.
Keine Untersuchung ohne Deine Einwilligung.
Einsicht in Deine Unterlagen.
Dein Mutterpass gehört Dir.
Schwangerschaftsdiabetes. Bluthochdruck. Präeklampsie. Vorzeitige Wehen.
Dann braucht es ärztliche Diagnostik. Dafür zu sorgen, ist sogar meine Pflicht.
Aber Du bleibst zuerst eine schwangere Frau.
Die Diagnose wird ein Teil Deiner Geschichte.
Nicht Deine ganze Geschichte.
Du bist die Hauptperson.
Du darfst fragen.
Du darfst Dir Zeit nehmen.
Du darfst Deinem Körper vertrauen.
Ich begleite Dich.
Ich behandle Dich nicht.
Vielleicht ist das der kürzeste Weg, zu erklären, was meine Haltung als Hebamme ist.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
27. September 2026
Vorab ein paar Worte an Dich, die Du das hier liest
Diesen Text habe ich lange hin und her gewendet. Er ist als offener Brief geschrieben, weil mich ein Thema der letzten Wochen nicht loslässt. Er richtet sich an eine Frauenärztin, deren Namen ich bewusst nicht nenne. Es geht mir nicht um sie als Person. Es geht mir um Argumente, die ich so oder ähnlich immer wieder höre, und um die Frauen, die zwischen diesen Argumenten stehen.
Die Frau, um deren Schwangerschaft es geht, hat mir erlaubt, ihre Geschichte in groben Zügen zu erzählen. Alle Details, die sie erkennbar machen würden, habe ich weggelassen.
Falls Du gar nicht weißt, was „Vorsorge im Wechsel“ ist: Die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft dürfen sowohl Frauenärztinnen als auch Hebammen durchführen. Beim Wechselmodell findet ein Termin in der Praxis statt, der nächste bei der Hebamme. Die Ultraschall-Screenings und die Pränataldiagnostik bleiben ärztliche Aufgabe. Du bekommst so die volle Diagnostik und dazu eine Begleitung, die Zeit hat.
Liebe Kollegin,
ich nenne Sie bewusst so. Wir haben unterschiedliche Berufe und unterschiedliche Ausbildungen, aber wir arbeiten für dieselben Frauen und dieselben Kinder. In meinen Augen macht uns das zu Kolleginnen.
Eine Frau, die ich in ihrer jetzigen Schwangerschaft begleite, hat ihr erstes Kind in einer anderen Stadt bekommen. Dort wurde sie von ihrer Frauenärztin und ihrer Hebamme im Wechsel betreut. Sie hat diese Zeit als sicher und gut begleitet erlebt. Nach ihrem Umzug ist sie wieder schwanger, hat eine neue Frauenärztin gefunden, Sie, und eine neue Hebamme, mich. Sie wünschte sich, es wieder so zu machen wie beim ersten Kind. Sie raten davon ab.
Ich möchte Ihnen schreiben, weil ich Ihre Gründe ernst nehme. Und weil ich glaube, dass sie eine Antwort verdienen.
Zum Hebammenmangel:
Sie haben gesagt, dass es in Ihrer Praxis viele Frauen gibt, die keine Hebamme finden. Und dass weniger Frauen unversorgt blieben, wenn ich als Hebamme meinen Schwerpunkt auf die Wochenbettbetreuung legen würde, statt Vorsorge zu machen.
Ich teile Ihre Sorge. Der Hebammenmangel ist real. In einer deutschlandweiten Befragung von 1.000 Müttern aus dem Jahr 2023 hatten 40,9 Prozent keine Wochenbettbetreuung. Das ist ein Missstand, und er bedrückt mich jedes Mal, wenn ich eine Anfrage absagen muss.
Trotzdem möchte ich Ihnen zwei Dinge zu bedenken geben.
Erstens: Wie ich arbeite, entscheide ich als freiberufliche Hebamme selbst. Ich habe mich bewusst für eine ganzheitliche Begleitung entschieden, vom Kinderwunsch über die Schwangerschaft bis in die Still- und Flaschenzeit. Das bedeutet, dass ich weniger Frauen betreue. Es bedeutet aber auch, dass ich jede dieser Frauen wirklich ganzheitlich und auf ihre Bedürfnisse kennend angepasst begleiten kann. Und genau dieses Modell ist wissenschaftlich gut untersucht. Das Cochrane-Review von 2024 hat 17 Studien mit über 18.500 Frauen ausgewertet: Frauen mit durchgehender Hebammenbetreuung hatten häufiger eine spontane Geburt, seltener einen Kaiserschnitt und berichteten von positiveren Erfahrungen. Auch die WHO empfiehlt solche Modelle der kontinuierlichen Hebammenbetreuung. Ich arbeite nicht so, weil es mir bequem ist, sondern weil es evidenzbasiert ist.
Zweitens, und das scheint mir der wichtigere Punkt: Die Frau, um die es geht, hat bereits eine Hebamme. Mich. Ich begleite sie ohnehin, auch im Wochenbett. Wenn Sie die Vorsorge im Wechsel nicht macht, bekommt dadurch keine einzige andere Frau eine Hebamme. Der Mangel wird nicht kleiner. Nur diese eine Frau verliert eine Betreuungsform, die sie sich wünscht und die ihr zusteht.
Den Hebammenmangel lösen wir nicht, indem wir Frauen, die eine Hebamme gefunden haben, die Zusammenarbeit verweigern. Den lösen wir mit besseren Rahmenbedingungen für Hebammen. Dafür würde ich mir Sie gern als Verbündete wünschen.
Zu dem Fall in Ihrer Praxis:
Sie haben der Frau von einer anderen Frau erzählt, die Vorsorge bei einer Hebamme hatte. Die Hebamme habe eine Infektion des Kindes nicht erkannt, und es sei zu einem Schaden gekommen.
Das ist tragisch. Für das Kind, für die Familie und sicher auch für alle Beteiligten. Ich nehme das nicht leicht.
Aber ich kann diesen Fall nicht beurteilen. Ich weiß nicht, was genau passiert ist, was wann sichtbar war, wer was übersehen hat und ob überhaupt etwas zu erkennen war. Jede Hebamme ist anders, genau wie jede Ärztin anders ist. Aus einem einzelnen Fall lässt sich nicht ableiten, wie sicher eine Betreuungsform ist. Dafür gibt es Studien, und die zeigen für die kontinuierliche Hebammenbetreuung keine Hinweise auf mehr Schaden. Bei der Frühgeburtenrate etwa fand das Cochrane-Review keinen relevanten Unterschied, rund 6 Prozent in beiden Gruppen.
Was ich Ihnen sagen kann, ist, wie ich selbst arbeite. Ich arbeite nach bestem Wissen und Gewissen. Ich bilde mich regelmäßig fort, die hessische Berufsordnung verlangt mindestens 60 Stunden in drei Jahren, ich habe weit mehr. Wenn ich nicht weiterkomme, hole ich mir Unterstützung. Und ich bin nach der Berufsordnung ausdrücklich verpflichtet, auf Unregelmäßigkeiten und krankhafte Verläufe zu achten und dann dafür zu sorgen, dass eine Ärztin oder ein Arzt hinzugezogen wird. Das ist für mich keine lästige Pflicht, das ist der Kern meiner Arbeit.
Und genau deshalb verstehe ich Ihr Argument nicht ganz. Das Wechselmodell bedeutet ja nicht, dass die Frau Ihnen entzogen wird. Es bedeutet, dass zwei Fachfrauen auf sie schauen statt einer. Zwei Blickwinkel, zwei Paar Augen, zwei Menschen, die Alarm schlagen können. Wenn wir über Sicherheit sprechen, ist das eher ein Argument dafür als dagegen.
Fehler passieren. Das ist schmerzlich, es sollte nicht sein, und doch kann es in jedem Beruf vorkommen, der mit Menschen arbeitet. Auch in Ihrem. Ich könnte an dieser Stelle ebenfalls Geschichten erzählen, von Dingen, die in ärztlicher Betreuung schiefgegangen sind. Ich tue es nicht. Weil es nicht hierher gehört und weil es unprofessionell wäre. Ein Einzelfall, egal von welcher Seite, taugt nicht als Beweis gegen einen ganzen Berufsstand.
Was mich an dieser Geschichte am meisten beschäftigt, sind nicht Ihre Argumente. Es ist die Art, wie mit der schwangeren Frau gesprochen wird.
Sie hat keine sachliche Aufklärung bekommen. Es ist ihr in dem Moment nicht erklärt worden, welche Untersuchungen wer durchführen darf, wie ein Wechsel organisiert werden kann und welche anderen Möglichkeiten es gibt. Stattdessen ist bei ihr ein Satz hängengeblieben, sinngemäß: Wenn Sie das tun, gefährden Sie Ihr Kind.
Diesen Satz trägt sie jetzt mit sich herum. Eine schwangere Frau, die sich eine Betreuungsform wünscht, die sie schon einmal erlebt hat und die gut war. Sie ist verunsichert, sie hat Angst, und sie fragt sich, ob sie etwas falsch macht, weil sie sich eine Hebamme an ihrer Seite wünscht.
Angst ist kein Argument. Angst macht eine freie Entscheidung unmöglich. Die deutsche S3-Leitlinie zur vaginalen Geburt am Termin formuliert es für die Geburtshilfe sehr klar: Frauen sollen evidenzbasiert informiert werden, ihre Entscheidung soll nicht durch persönliche Sichtweisen des Fachpersonals beeinflusst werden, und ihre Sichtweise soll zu jeder Zeit als bedeutend anerkannt werden. Ich finde, dieser Grundsatz gilt für die Vorsorge genauso.
Diese Frau hätte Informationen gebraucht, keine Warnung. Sie hätte eine Entscheidung treffen dürfen, statt eine Angst mitzunehmen.
Ich schreibe diesen Brief nicht, um recht zu behalten. Ich schreibe ihn, weil ich mir etwas anderes wünsche als dieses Gegeneinander.
Ich lade Sie herzlich zu einem Gespräch ein. Bei einem Kaffee, in Ihrer oder meiner Praxis oder am Telefon. Ich würde Ihnen gern erzählen, wie ich arbeite, und ich würde gern von Ihnen hören, was Sie brauchen, um einer Zusammenarbeit zu vertrauen.
Vieles ließe sich gut regeln: klare Absprachen, welche Termine in der Praxis stattfinden und welche bei mir. Der Mutterpass als gemeinsames Dokument, in dem jede von uns sauber dokumentiert. Ein direkter Draht, damit ich Sie bei Auffälligkeiten schnell erreiche und Sie mich. Und die gegenseitige Zusage, dass wir die Frau im Zweifel lieber einmal zu oft als einmal zu wenig zur jeweils anderen schicken.
Ich bin überzeugt: Schwangere Frauen haben es verdient, dass wir als Hebammen und Ärztinnen zusammenarbeiten. Nicht trotz unserer unterschiedlichen Blickwinkel, sondern gerade wegen ihnen.
Mit herzlichen und kollegialen Grüßen
Katrin Gröger, Hebamme
Und was heißt das jetzt für Dich?
Falls Du Dich in dieser Geschichte wiedererkennst, weil Dir etwas Ähnliches passiert ist, möchte ich Dir ein paar Dinge mitgeben.
Du hast einen Anspruch auf Hebammenhilfe, und dazu gehört ausdrücklich auch die Schwangerenvorsorge. Das ist in Paragraf 24d SGB V geregelt.
Du darfst Deine Ärztin frei wählen. Wenn eine Praxis nicht im Wechsel arbeiten möchte, gibt es andere, die das gern tun. Frag Deine Hebamme, sie kennt meist Praxen in der Nähe, mit denen die Zusammenarbeit gut klappt.
Du darfst nachfragen. Wenn Dir jemand sagt, eine Entscheidung gefährde Dein Kind, frag nach: Woran machen Sie das fest? Was genau könnte passieren? Gibt es Studien dazu? Eine gute Fachperson wird Dir diese Fragen gern beantworten.
Du machst nichts falsch, wenn Du Dir eine Hebamme an Deiner Seite wünschst. Du entscheidest Dich für ein Modell, das gut untersucht ist und das die WHO empfiehlt.
Wenn Du im Hochtaunuskreis wohnst und Dir eine Vorsorge im Wechsel und/oder eine Hebamme wünschst, die Dich vom Kinderwunsch bis in die Stillzeit begleitet, meld Dich bei mir!
Und noch ein kleiner Hinweis am Ende: ich begleite Dich in Deiner Schwagerschaft so, wie es für Dich passt. Manche Frauen nutzen die Vorsorge im Wechsel, einige bleiben in rein ärztlicher Vorsorge, weil sie Auffälligkeiten haben, die eine rein ärtzliche Vorsorge notwendig machen oder sich aus Gründen dafür entscheiden. Eine hebammenbetreute Schwangerschaft ist auch dennoch möglich durch regelmäßige Termine als Hilfeleistungen in der Schwangerschaft.
Und für alle, die es in den oben genannten Quellen nachlesen mögen, hier die Übersicht mit Links dazu:
Sandall J. et al. (2024): Midwife continuity of care models versus other models of care for childbearing women. Cochrane Database of Systematic Reviews
WHO (2016): Recommendations on antenatal care for a positive pregnancy experience
Berufsordnung für Hebammen und Entbindungspfleger in Hessen, Landesverband der Hessischen Hebammen
AWMF S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ (015-083)
SKOPOS-Studie „Mangel an Hebammen in Deutschland“ (2023), Befragung von 1.000 Müttern
Paragraf 24d SGB V, Anspruch auf Hebammenhilfe
Mutterschafts-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
22. September 2026
„Brauche ich Dich in der Schwangerschaft denn überhaupt? Ich habe doch eine Frauenärztin.“
Diese Frage höre ich immer mal wieder, und sie ist gut.
Denn sie zeigt, dass die Rollenverteilung zwischen unseren Berufen für viele unklar ist.
Ich spreche hier von Ärztinnen und Hebammen in der weiblichen Form. Ärzte und die wenigen männlichen Hebammen sind natürlich genauso gemeint.
Eine Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe hat einen langen Weg hinter sich: sechs Jahre Medizinstudium und anschließend eine fünfjährige Facharztweiterbildung, insgesamt 60 Monate an anerkannten Weiterbildungsstätten, dazu ein Kurs in psychosomatischer Grundversorgung. Ihr Fachgebiet ist enorm breit. Es umfasst die Entstehung, Erkennung, Behandlung und Verhütung von Erkrankungen des weiblichen Fortpflanzungstrakts, dazu die Erkrankungen der Brust und die Krebsvorsorge. Es umfasst gynäkologische Operationen, Hormonstörungen, Verhütung, Kinderwunschmedizin und eben auch die Überwachung von Schwangerschaften und die Geburtshilfe. Sie begleitet Frauen also von der ersten Periode bis in die Wechseljahre und darüber hinaus. Die normale, gesunde Schwangerschaft ist in diesem riesigen Feld ein Teilgebiet unter vielen.
Mein Weg sieht anders aus, und zwar genau umgekehrt.
Seit dem Hebammenreformgesetz, das am 1. Januar 2020 in Kraft trat, ist der Beruf vollständig akademisiert. Der Weg führt über ein duales Bachelorstudium, je nach Hochschule sechs bis acht Semester. Auf dem Stundenplan stehen medizinische Grundlagen, Anatomie, Gynäkologie, Kinderheilkunde, Pharmakologie, Hygiene, Ernährungslehre, Psychologie und Hebammenwissenschaft, dazu tausende Stunden Praxis. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Die Kompetenzbereiche dieses Studiums heißen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Das war es. Nichts anderes. Vor 2020 war HebammeWERDEN eine Ausbildung, der Inhalt der Gleiche.
Damit sind wir Hebammen die einzige Berufsgruppe im deutschen Gesundheitswesen, deren gesamte Qualifikation sich ausschließlich mit dieser einen Lebensphase beschäftigt.
Wir gehen in die Tiefe, wo andere in die Breite gehen müssen.
Und jetzt ganz parktisch: wer darf was?
Nur die Ärztin darf: die drei Ultraschall-Screenings der Mutterschafts-Richtlinie, weiterführende Ultraschalluntersuchungen, Pränataldiagnostik wie den NIPT oder die Fruchtwasseruntersuchung, die Behandlung von Erkrankungen und die Verordnung von Medikamenten.
Beide dürfen: die regulären Vorsorgeuntersuchungen nach den Mutterschafts-Richtlinien. Also Blutdruck messen, Urin untersuchen, Gewicht kontrollieren, den Stand der Gebärmutter tasten, die kindliche Lage bestimmen, Herztöne abhören, Blut abnehmen und den Mutterpass führen.
Kernkompetenz der Hebamme in der Schwangerschaft: neben den Vorsorgeuntersuchungen Beratung und Begleitung bei Beschwerden, Sorgen und Ängsten; Geburtsvorbereitung und je nach Qualifikationen weitere Zusatzleistungen.
Aus dieser Aufteilung ergibt sich ein Modell, das für vielen Frauen passend ist:
die Vorsorge im Wechsel.
Die Termine, an denen ein Ultraschall ansteht, machst Du bei Deiner Frauenärztin.
Die Termine dazwischen bei mir.
So bekommst Du die volle medizinische Diagnostik und dazu Termine mit Zeit.
Denn ich werde nach der Zeit bezahlt, die ich Dich begleite.
Eine Ärztin bekommt in den meisten Fällen eine Pauschale, egal wie lange Du bei ihr bist.
Und wenn bei einem Termin bei mir etwas auffällt?
Dann übergebe ich an die ärztliche Seite.
Erhöhter Blutdruck, Eiweiß im Urin, auffällige Herztöne, ein Wachstum, das nicht passt:
All das erkenne ich, und dann sorge ich dafür, dass dies zeitnah ärztlich abgeklärt wirst.
Ich schreibe diesen Eintrag ausdrücklich nicht, um meinen Beruf über den ärztlichen zu stellen.
Ich habe großen Respekt vor der Arbeit meiner ärztlichen Kolleginnen und Kollegen.
Ohne moderne Geburtsmedizin wären viele Kinder und Mütter heute nicht am Leben.
Was ich möchte, ist etwas anderes:
Dass Du weißt, dass es beide gibt.
Und dass Du nicht denkst, Du müsstest Dich entscheiden.
Ich finde, eine gute Betreuung bekommst Du, wenn beide Blickwinkel zusammenkommen.
Beides ist übrigens Kassenleistung.
Für die empfohlenen Untersuchungen laut Mutterschaftsrichtlinien zahlst Du keinen von uns etwas dazu.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
22. September 2026
Es gibt eine Informationsflut für Schwangere.
Apps, die Dir täglich mitteilen, wie groß Dein Baby gerade ist.
Foren, in denen um zwei Uhr nachts über Symptome diskutiert wird.
Listen mit Lebensmitteln, die Du angeblich nicht essen darfst.
Und gleichzeitig gibt es eine große Informationslücke.
Denn über das, was tatsächlich wichtig ist, spricht kaum jemand: über Deine Entscheidungsfreiheit.
Wäre ich nicht Hebamme geworden, bevor ich meine eigenen Kinder bekam, wäre ich vermutlich selbst
komplett ins Standardprogramm gerutscht.
Ich hätte jeden Termin wahrgenommen,
jede angebotene Untersuchung machen lassen,
jedes Formular unterschrieben.
Und zwar nicht, weil das Standardprogramm schlecht wäre.
Die Mutterschafts-Richtlinie ist ein durchdachtes, über Jahrzehnte gewachsenes Vorsorgekonzept, das viele Schwangerschaften sicherer gemacht hat.
Sondern weil mir niemand gesagt hätte, dass es ein Angebot ist.
Dass ich fragen „darf“.
Dass ich auch Nein sagen „darf“.
Weil auch Hebammen darüber manchmal nicht aufklären.
Deine Schwangerschaft.
Dein Körper.
Dein Entscheidung.
Jede Untersuchung an Deinem Körper braucht Deine Einwilligung.
Und eine Einwilligung ist nur dann gültig, wenn Du vorher verstanden hast, worum es geht.
Das ist keine Hebammen-Meinung, das ist geltendes Recht und medizinischer Standard.
Die deutsche S3-Leitlinie zur vaginalen Geburt am Termin formuliert es sehr klar:
Frauen sollen über die unterschiedlichen Möglichkeiten aufgeklärt und in ihrer Entscheidung nicht durch persönliche Sichtweisen des Fachpersonals beeinflusst werden.
Die informierte Entscheidungsfindung soll durch evidenzbasierte Informationen unterstützt und die Sichtweise der Frau zu jeder Zeit als bedeutend anerkannt werden.
Lies diesen Satz gern zweimal.
Deine Sichtweise.
Zu jeder Zeit.
Als bedeutend anerkannt.
Die Mutterschafts-Richtlinie sieht drei Ultraschall-Screenings vor.
Alles darüber hinaus ist entweder medizinisch begründet, dann zahlt die Kasse, oder es ist eine Wunschleistung, die Du selbst zahlst.
Diese Angebote sind nicht schlecht, aber sie sind eben Wunschleistungen.
Du darfst fragen: Was bringt mir das konkret? Und was passiert, wenn ich es nicht mache?
Beim Bluttest auf Trisomien, NIPT, ist die Aufklärung sogar gesetzlich geregelt.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat eine Versicherteninformation erstellt, die im ärztlichen Beratungsgespräch verpflichtend eingesetzt werden muss.
Der Grund: Es ist eine Entscheidung mit Tragweite.
Was würdest Du mit dem Ergebnis anfangen?
Diese Frage solltest Du Dir stellen, bevor Du den Test machst, nicht danach.
Das Routine-CTG überrascht die Meisten am meisten.
Das CTG ist laut Mutterschaftsrichtlinien nicht Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen einer normal verlaufenden Schwangerschaft.
Es ist eine Untersuchung mit klaren Indikationen, etwa bei Verdacht auf vorzeitige Wehen oder auffälligen Befunden.
Wenn es Dir routinemäßig angeboten wird, darfst Du fragen, warum.
Wer Deine Vorsorge durchführt ist Deine Entscheidung:
komplett ärztlich,
komplett bei der Hebamme
oder im Wechsel.
Du musst nicht Medizin studiert haben, um gute Entscheidungen zu treffen.
Vier Fragen reichen fast immer:
Und eine fünfte, die du dir selbst stellen darfst:
Möchte ich das wissen?
Hier schließt sich der Kreis zu meiner Arbeit.
Man kann sich nur über Antworten Gedanken machen, wenn man die Fragen kennt.
Und wenn du zum ersten Mal schwanger bist, kennst Du sie wahrscheinlich nicht.
Woher auch?
Genau das ist der Kern meiner Arbeit.
Ich sage Dir nicht, was Du tun sollst.
Ich habe eine persönliche Meinung und Haltung.
Die tut aber nichts zu Sache.
Es ist nicht mein Körper und nicht mein Kind.
Was ich tue, ist:
Ich versuche dafür zu sorgen, dass Du die Fragen rechtzeitig kennst.
Damit Du entscheidest, statt entschieden zu bekommen.
Fachliche Aufklärung.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden.
Es ist kein Aufruf, Untersuchungen abzulehnen.
Viele Angebote in der Schwangerenvorsorge sind sinnvoll,
und haben schon Leben gerettet.
Es geht mir um etwas anderes:
Um den Unterschied zwischen mit Dir und über Dich.
Zwischen abgearbeitet werden und verstehen, was passiert.
Wenn Du Dir eine Begleitung wünschst, bei der Du verstehst, was mit Dir geschieht, dann melde Dich bei mir.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
22. August 2026
Ein hartes Wort.
Ich weiß.
Im ElternWERDEN. 2.0 Geburtsvorbereitungskurs für Mehrgebärende und im MutterSEIN. Rückbildungskurs können Geschwisterkinder nicht dabei sein.
Ich verstehe Dich.
Ich weiß, wie es ist.
Ein Kleinkind zu Hause. Wieder schwanger. Betreuung noch weit entfernt.
Keine Kita. Großeltern weit weg. Partner arbeitend.
Und dann Kurse.
Geschwisterkind dabei unerwünscht.
Manchmal der Grund, warum eine Frau gar nicht erst bucht.
Das tut mir leid.
Warum es trotzdem nicht geht:
Vorfreude. Angst.
Erinnerung. Erwartung.
Festhalten. Loslassen.
Stolz. Scham.
Nähe. Sehnsucht nach einer Stunde allein.
Liebe für das Neue. Schuldgefühl gegenüber dem Ersten.
Vertrautheit. Und trotzdem alles anders.
Kinderohren hören mit. Immer.
Und sie nehmen die Emotionen auf.
Und die anderen Mütter und Väter im Raum schweigen dann vielleicht. Sie erzählen nicht, was sie erzählen wollten. Der Raum ist nicht mehr geschützt.
Im Rückbildungskurs liegst Du auf der Matte.
Spürst. Atmest. Trainierst.
Du bist bei Dir.
Das geht nicht, während Du ein Kleinkind im Blick behältst. Ein Kleinkind entdeckt die Welt.
Diese Kurse sind Deine Zeit. Nicht Familienzeit. Dafür gibt es andere Kurse. Die Krankenkasse bezahlt sie, damit Du Dich vorbereitest und damit Dein Körper sich erholt.
Und ganz ehrlich: Du hast diese Stunde verdient.
Was Du tun kannst:
Such früh nach Betreuung. Früher, als Du denkst.
Nicht nur für Kurse, auch für die Geburt!
Frag im Freundeskreis. Andere Eltern. Paten. Leihoma.
Ich weiß, dass diese Regel unbequem ist. Ich empfinde sie dennoch als richtig.
Für Dich. Für die anderen Frauen und Paare. Und für Dein Kind.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
21. August 2026
Oft liest Du, dass ich Dich den ganzen Weg begleite: durch die Schwangerschaft, das Wochenbett und die Still- und Flaschentrinkzeit. An anderer Stelle biete ich Dir eine Begleitung an, die nach der Geburt endet. Das klingt erst einmal widersprüchlich. Deshalb möchte ich Dir erklären, wie beides zusammengehört.
Wenn wir uns schon in der Schwangerschaft kennenlernen, entsteht etwas, das sich später nicht mehr nachholen lässt. Ich weiß dann, wie Du sprichst, wenn es Dir gut geht, und wie, wenn Du Dir Sorgen machst. Ich kenne Deine Geschichte, Deine Wünsche für die Geburt, Deine Ängste. Und Du weißt, wer da vor Dir steht, wenn ich nach der Geburt bei Dir im Schlafzimmer bin und wir über Dein Intimstes sprechen.
Vertrauen braucht Zeit. Diese Zeit nehme ich mir gerne, mit regelmäßigen Vorsorgen, mit Gesprächen, mit Körperarbeit und Massagen, mit der Vorbereitung auf die Geburt. Deshalb ist die Rundum-Begleitung mein eigentliches Angebot.
Diese Art zu arbeiten ist intensiv. Sie kostet Zeit, Aufmerksamkeit und Herz, und zwar nicht nur an einzelnen Terminen, sondern über viele Monate hinweg. Dazu kommt das Wochenbett: Nach der Geburt komme ich zu Euch nach Hause, oft täglich, manchmal kurzfristig. Das lässt sich nur planen, wenn ich pro Zeitraum eine überschaubare Anzahl an Familien betreue.
Und es gibt eine zweite Grenze, die schlicht mit Wegen zu tun hat. Für die Wochenbetten fahre ich zu Dir. Mein Betreuungsgebiet ist deshalb begrenzt.
So kommt es, dass ich manchen Anfragen nicht das geben kann, was ich am liebsten gäbe: entweder sind meine Plätze für Deinen Geburtszeitraum schon vergeben, oder Du wohnst zu weit weg.
Früher hieß das: eine Absage. Das hat sich für mich nie richtig angefühlt!
Zudem schreiben mir Frauen, die schon eine Wochenbetthebamme gefunden haben und in der Schwangerschaft allein dastehen.
Genau da liegt eine Lücke. Viele Kolleginnen betreuen ausschließlich das Wochenbett. Die Schwangerschaft, also die Monate, in denen so viele Fragen entstehen, in denen sich Dein Körper und Dein ganzes Leben verändern und in denen Du Dich auf die Geburt vorbereitest, bleibt dabei oft unbegleitet. Dabei stehen Dir auch in dieser Zeit Hebammenleistungen zu, und Deine Krankenkasse übernimmt sie.
Deshalb biete ich inzwischen auch die Begleitung nur für die Schwangerschaft an: mit Vorsorgen, Gesprächen, Massagen, Geburtsvorbereitung und Kursen, alles in meiner Praxis in Oberursel. Deine Wochenbetthebamme übernimmt dann nach der Geburt.
Ich sage es ehrlich: Für mich bleibt das ein Kompromiss. Ich hätte Dich lieber ganz begleitet, und es fällt mir schwer, Euch zu übergeben, wenn es gerade spannend wird.
Aber ich habe gemerkt, dass eine gute Schwangerschaftsbegleitung für sich genommen wertvoll ist. Du gehst vorbereitet und gestärkt in Deine Geburt, Du hast einen Ort für Deine Fragen, und Du bist in dieser Zeit nicht allein. Das ist mehr wert als eine Absage.
Wenn meine Plätze für die Rundum-Begleitung belegt sind oder Du außerhalb meines Betreuungsgebietes wohnst oder eine Kollegin für Dein Wochenbett hast, dann melde Dich trotzdem gerne. Wir schauen dann, welches Stück des Weges wir gemeinsam gehen.
Hier findest Du meine Betreuungsanfrage und meine Seite So erreichst Du mich.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
21. August 2026
Du meldest Dich für einen Kurs an. Für Dich sind das zwei Minuten.
Ein Formular. Ein Klick. Fertig.
Ich schaue ob der Kurs für Dich passt. Ich trage Dich ein. Ich schreibe Dir zurück.
Du hast Fragen. Ich beantworte sie. Gerne.
Ich schreibe die Rechnung. Ich prüfe, ob die Kursgebühr angekommen ist.
Ich verbuche sie in meinem System.
Das alles passiert, lange bevor wir uns das erste Mal sehen.
Und manchmal kommt dann eine Nachricht.
Mir ist etwas dazwischengekommen.
Der Termin passt doch nicht.
Ich bin auf einen anderen Kurs nachgerückt.
Ich hatte die Anmeldung ganz vergessen.
Das kann passieren.
Und zudem hält sich das Leben an keinen Kalender.
Du kannst Dich selbstverständlich abmelden.
Dafür habe ich Stornierungsbedingungen.
Und dafür nehme ich eine Bearbeitungsgebühr.
Warum?
Weil die Arbeit schon getan ist.
Sie verschwindet nicht, wenn Du nicht kommst.
Sie wird nur nicht bezahlt.
Ich bin Hebamme. Das ist meine Berufung. Das ist mein Beruf. Kein Hobby.
Ich verdiene damit mein Geld. So wie Du mit Deinem Job.
Deshalb meine Bitte an Dich:
melde Dich nicht einfach mal so an.
Bei mir nicht.
Und bei keiner anderen Hebamme.
Schau vorher in Deinen Kalender. Überleg in Ruhe. Und buche erst dann.
Wenn Du unsicher bist, ob ein Termin oder Kurs passt, frag mich vorher.
Und wenn Dir etwas dazwischenkommt:
dann habe ich Verständnis und freu mich über die Spontanität des Lebens.
Und dann bitte ich Dich um Verständnis für meine Gebühr.
Ich freue mich auf Dich.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.
11. August 2026
Du sitzt mir gegenüber. Vielleicht mit Herzklopfen. Vielleicht mit einer langen Liste im Kopf. Vielleicht mit gar nichts davon.
Und vielleicht mit der Frage, die Du mir nicht stellst: Musste ich da eigentlich alleine hin?
Musst Du nicht.
Zeit für Dich. Ohne dass jemand danebensitzt. Ohne dass Du hinterher etwas erklären musst.
Ich schaue Dir in die Augen. Und frage, wie geht es Dir wirklich? Was brauchst Du? Manchmal fällt die Antwort leichter, wenn niemand mithört. Du darfst still sein. Du darfst Deine Zeit brauchen. Und Du antwortest für Dich.
Du kannst aber auch jemanden mitbringen.
Deinen Partner. Deine Partnerin. Deine Freundin. Deine Mutter. Deine Schwester. Wer immer Dir guttut.
Vier Ohren hören mehr als zwei. Nach so einem Gespräch bleibt selten alles hängen.
Und die Menschen, die mitkommen, haben eigene Fragen. Oft ganz andere als Du. Fragen, die sonst nicht gestellt werden.
Ihr bekommt das Kind gemeinsam. Dann dürft Ihr auch gemeinsam anfangen.
Ich richte mich nach Dir. Beides ist richtig.
Komm einfach so, wie es sich für Dich gut anfühlt.
Hebamme Kati
Mit Wissen, Erfahrung und Herz. Für Dich.